Kategorie Aktuelle Meldung Barrierefreiheit

Sieben Jahre Einsatz für mehr Barrierefreiheit in Sachsen

Projekt „Beratungszentrum für Barrierefreies Planen und Bauen in Sachsen“ endete zum 30. September 2026

Eine Seniorin schiebt ihren Mann, der im Rollstuhl sitzt, über einen Platz

Nach rund sieben Jahren engagierter Arbeit endet das Projekt „Beratungszentrum für Barrierefreies Planen und Bauen in Sachsen (BBPB)“ zum 30. September 2026. Das gemeinsam vom Sozialverband VdK Sachsen und der Architektenkammer Sachsen getragene und mitfinanzierte Projekt wird über diesen Zeitpunkt hinaus nicht fortgeführt. Damit endet ein Beratungsangebot, das seit 2019 vielen Menschen in Sachsen bei ganz konkreten Fragen rund um Barrierefreiheit zur Seite stand.

Die Geschichte des Beratungszentrums begann bereits im April 2019. In der ersten Förderperiode bis 2021 wurde ein niedrigschwelliges und kostenfreies Beratungsangebot aufgebaut, das nach einer zwischenzeitlichen Unterbrechung ab 2023 in einer zweiten Förderperiode fortgeführt werden konnte. Insgesamt hat sich das Projekt damit über mehrere Jahre hinweg zu einer tradierten Anlaufstelle für Fragen rund um das barrierefreie Planen und Bauen entwickelt.

Das Spektrum der Anfragen war dabei so vielfältig wie die Menschen und Einrichtungen, die sich an das Beratungszentrum wandten. Privatpersonen, Bauherren, Behörden, soziale Einrichtungen, Vereine und Kirchgemeinden suchten Rat, beispielsweise bei der Planung eines barrierefreien Zugangs, bei Fragen zu den geltenden DIN-Normen, zu Fördermöglichkeiten oder zur konkreten Umsetzung baulicher Maßnahmen. Dabei ging es längst nicht nur um Rampen, Aufzüge oder Blindenleitsysteme. Häufig waren die Fragestellungen wesentlich komplexer: Wie lässt sich ein bestehendes Gebäude möglichst umfassend barrierefrei erschließen? Welche Lösung ist für die konkrete Situation sinnvoll? Was ist baurechtlich zu beachten? Welche Fördermöglichkeiten kommen infrage? Und wie kann Barrierefreiheit auch dann umgesetzt werden, wenn eine vollständige bauliche Anpassung zunächst nicht möglich erscheint? Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war deshalb die fachkundige Beratung durch ein erfahrenes Netzwerk von Architektinnen und Architekten. Sie brachten ihre planerische Erfahrung und ihr Wissen ein und halfen dabei, aus abstrakten Anforderungen konkrete und umsetzbare Lösungen zu entwickeln.

„Das Besondere an diesem Projekt war für uns als Verband, dass wir mit einem bewusst niedrigschwelligen Angebot sehr unterschiedliche Menschen erreichen konnten. Die Fragen waren oft sehr konkret und manchmal auch schwierig. Genau darin lag aber der Wert der Beratung: gemeinsam nach Lösungen zu suchen und Barrierefreiheit praktisch voranzubringen. Jede einzelne Verbesserung, die durch eine Beratung angestoßen werden konnte, war den Einsatz wert. „Mein besonderer Dank gilt der Architektenkammer Sachsen sowie allen Architektinnen und Architekten aus unserem Beraternetzwerk. Ohne deren Engagement, Fachwissen und Bereitschaft, sich auch mit schwierigen Einzelfällen auseinanderzusetzen, wäre dieses Projekt in dieser Form nicht möglich gewesen,“ betont Ralph Beckert, hauptamtlicher Vorstand des Sozialverbands VdK Sachsen.

Denn Barrierefreiheit ist mehr als eine technische oder bauliche Aufgabe. Sie ist eine Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Wer selbst mit einer Mobilitäts- oder anderen Einschränkung lebt, weiß aus eigener Erfahrung, dass bereits kleine bauliche Hindernisse darüber entscheiden können, ob ein Gebäude, ein Angebot oder ein öffentlicher Raum selbstständig genutzt werden kann. Umso wichtiger ist es, Menschen mit Behinderungen und Mobilitätseinschränkungen frühzeitig in Planungsprozesse einzubeziehen und ihre Erfahrungen ernst zu nehmen. Das Beratungszentrum hat hierzu einen Beitrag geleistet. Mit dem Ende der Förderung endet nun das Projekt, nicht aber die Bedeutung des Themas Barrierefreiheit. Die im Rahmen des Projekts gesammelten Erfahrungen, Kontakte und Erkenntnisse bleiben bestehen. Auch künftig können sich Rat- und Hilfesuchende mit Fragen rund um das Thema Barrierefreiheit sowohl an den Sozialverband VdK Sachsen als auch an die Architektenkammer Sachsen wenden.

Barrierefreiheit bleibt eine gemeinsame Aufgabe, denn jede abgebaute Barriere ist ein Stück mehr Teilhabe.